Google: Öffentlich blüht das Web - vor Gericht liegt es im Sterben
Google sagt öffentlich, das Web blühe - vor Gericht nennt es das offene Web „im rapiden Niedergang“.
Bildquelle: Mitchell Luo | unsplash
2 Min. Lesezeit
Google hat sich verheddert. Öffentlich predigt der Konzern seit Monaten, das Web blühe, KI schade dem Traffic nicht und Google leite mehr Besucher denn je an unterschiedliche Websites. Hinter verschlossenen Gerichtstüren klingt das jedoch ganz anders: In einer Klageschrift räumt das Unternehmen ein, dass „das offene Web sich bereits im rasanten Niedergang befindet“.
Das Statement stammt aus einem Verfahren zur Zukunft von Googles Werbegeschäft. Das US-Justizministerium will den Konzern zerschlagen, um die Macht im Werbemarkt zu brechen. Google argumentiert nun, genau dieser Schritt würde das offene Web erst recht schwächen - und damit die Publisher, die noch von Display-Werbung leben. Zwischen den Zeilen: Ohne Google wird's düster.
Offiziell versucht das Unternehmen die Brisanz kleinzureden. Eine Sprecherin erklärte, man habe sich lediglich auf „Open-Web-Display-Advertising“ bezogen, nicht auf das Web als Ganzes. Klingt nach: „Nicht das ganze Haus brennt, nur das Wohnzimmer.“ Doch die Aussage trifft einen Nerv, denn viele Publisher berichten seit Monaten über massiven Traffic-Schwund - ausgelöst durch Googles Algorithmus-Updates und die wachsende Bedeutung von KI-Overviews, die Suchende direkt auf Googles Seite halten.
Währenddessen verteidigen sich Googles Spitzenmanager trotzig. Sundar Pichai spricht von einer „breiteren Verteilung“ der Besucherströme, Suchchef Liz Reid von „stabilen Klickzahlen“ und Milliarden täglichen Weiterleitungen. Man könnte fast glauben, alles sei bestens - wenn nicht dieselbe Firma vor Gericht das genaue Gegenteil behaupten würde.
Die Diskrepanz ist bezeichnend: Im Marketing klingt Google wie der Retter des offenen Netzes, im Gerichtssaal wie dessen Totengräber wider Willen. Ob das offene Web tatsächlich im Sterben liegt oder ob Google sich nur rhetorisch zurechtbiegt, um die eigenen Interessen zu schützen, bleibt das eigentliche Spannungsfeld.
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